Jagdknecht Ottonen

Hier seht Ihr meinen Versuch der Darstellung eines Jagdknechts des Bischofs von Augsburg um die Mitte des 10. Jahrhundert n. Chr.,belegt durch Fundlagen im Großraum Augsburg und Kempten, sowie Psalter Bilder und Fundlagen aus dem restlichen Gebiet der Ottonenzeit.
 
Man nennt mich Wilderich, geboren in den Eichenwäldern nordwestlich von Augsburg in einem kleinen Dorf nahe der Feste am Hammelberg an der Schmutter. Sohn von slawischen Unfreien die Heinrich bei seinem Slawenfeldzug mitbrachte und dem Herzog von Schwaben überließ.
Dieser nutzte das Wissen und die Zähigkeit dieser Menschen, um die sumpfigen Waldgebiete westlich von Augsburg an der alten Römerstraße zu Ackerland zu machen. So lernte ich viel über das raue Leben außerhalb der sicheren Weiler und Städte. Aber auch das Jagen, die Kräuterkunde und den Glauben an die Natur und Ihre Geister.
Als der junge Bischof Ulrich vom Burgstall am Hammelberg eine Jagd veranstaltete, wurde ich als Jagdknecht verpflichtet. Seither stand ich in den Diensten des Ulrichs von Augsburg.
952 hielt Otto I. mit seiner Frau Adelheid, einer jungen Witwe aus Italien, bei Bischof Ulrich in Augsburg einen Hoftag ab. Zur gleichen Zeit fand in Augsburg eine Bischofssynode statt, sodass alle wichtigen Würdenträger des Reiches in Augsburg versammelt waren.
Als Jagdknecht war es meine Pflicht dafür zu sorgen, dass das gewählte Jagdgebiet gut zugänglich und mit hohem Wildbestand versehen war. Dafür arbeiteten viele hundert Knechte fast ein Jahr, um das Waldgebiet begehbar und das Wild vor Ort zu halten.
Unter der Jagdgesellschaft war auch der Abt von Kempten, der dem Bischof von der Not der Landbevölkerung berichtete, die sich gegen die Population an Bären und Wölfen kaum zur Wehr setzen konnten.Daraufhin befahl der Bischof dieser Plage Einhalt zu gebieten und der Oberjagdaufseher sendete mich ins Allgäu. Durch mein Geschick in der Wolfs- und Bärenjagd war ich der richtige Mann, um den dortigen Bauern zu helfen. Der Abt des Klosters Kempten unterstellte mich seinem besten Miles Namens Heinrich Ritzner von Campimontf. Dieser hat zu der Zeit den Sohn des Herzogs von Schwaben in den Belangen der Kriegskunst  zu unterrichten.
An Ostern 953 war Heinrich Ritzner von Campimontf mit nach Bamberg geladen, um mit Otto und anderen Adeligen das Osterfest zu feiern. So war ich mit dem Tross des Miles dabei, bei dem was dann geschah. Durch einen Fehler des jungen Herzogs von Schwaben eskalierte ein Streit zwischen Heinrich und des Kaisers Truchsess, in dessen Verlauf Heinrich eben diesen erschlug. Otto verurteilte den hitzköpfigen Allgäuer daraufhin zum Tode, der widerum aber setzte dem Herrscher seinen Dolch an den Hals und erzwang so seine Freilassung. Wir eilten wie getriebenes Wild zurück ins Allgäu. Kurz darauf begab es sich, dass der Herzog Liutolf von Schwaben, ein Sohn Ottos aus erster Ehe, sich 953 mit anderen Adeligen gegen den Vater erhob, auch bekannt unter dem „Liudolfinischen Aufstand“, um sich die Anwartschaft auf den Reichsthron zu sichern, wodurch mein Herr und seine Tat in Vergessenheit geriet.
Zudem traf es sich, dass Bischof Ulrich, getreu dem geleisteten Eid, zum König hielt und Heinrich so auf der richtigen Seite stand. Er ritt mit Bischof Ulrich und dessen Aufgebot gegen Regensburg, um die in die Hände der Empörer gefallene Stadt mit zu belagern. So Zog unser Tross mit mir im Gefolge nach Regensburg. Inzwischen besetzten die Aufrührer unter dem bayerische Pfalzgraf Arnulf, der mit Anderen Fürsten Otto I. stürzen wollte, im Herbst 953 Augsburg. Arnulf und seine Vasallen schnappten sich sämtliche Besitztümer des Augsburger Fürstbischofs und besetzten die Stadt, was später selbst den Ungarn nicht gelang. Ulrich durfte bei seiner Rückkehr aus Regensburg nicht in das für ihn lebensgefährliche Augsburg einziehen, sondern musste mit seinem Gefolge in die Festung Mantahinga (später Schwabmünchen) flüchten. Auch dort wurde er von Arnulfs Truppen belagert. Durch seine Hilfe für Otto I. war Ulrich zum Gegner der Aufständischen geworden. Doch gelang es Ulrich die Festung mithilfe Heinrichs und Uns zu verteidigen. Erst die Soldaten seiner Familie unter Führung seines Bruders Dietpald konnten ihn und uns aus der misslichen Lage befreien. Im Frühsommer gleichen Jahres wollte König Otto in der Gegend von Illertissen eine kriegerische Entscheidung erzwingen. Vater und Sohn standen sich mit ihren Gefolgsleuten an der mittleren Iller gegenüber, Blutvergießen schien unvermeidbar und wir waren mitten drin. Da gelang es den Vermittlungsversuchen der Bischöfe Ulrich von Augsburg und Hartbert von Chur den verderblichen Zwist zu beenden. Um Weihnachten 954 söhnten sich die streitenden Parteien aus. Während wir wieder nach Kempten zurück kehrten, bekam Bischof Ulrich vom Kaiser für seine unveränderliche Treue zu König Otto I. das Münzrecht zugeschrieben. Dies war ein einträgliches Privileg ! Geprägt wurden in dieser Zeit silberne Ulrichsdenare?. Diese zeigen auf der Vorderseite ein Kreuz und den Namen „Oudalricus episcopus“, auf der Rückseite den Giebel einer Kirche, dazu den Namen der Stadt „Augusta civitas“.
Wenige Monate später drohte dem schwäbischen Land größere Gefahr : Die Ungarn fielen wieder in Bayern ein, verbrannten die Dörfer und Klöster und metzelten alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Stadt Augsburg aber, durch die Vorsorge Ulrichs mit einer Steinmauer umgeben, leistete Widerstand. Hoch zu Ross ermunterte der Bischof die Verteidiger, welche die wütenden Angriffe der Reiterscharen am 8. und 9. August erfolgreich zurückweisen konnten, bis das königliche Heer eintraf. Heinrich und sein Tross wurde auf die Feste am Hammelberg geschickt, um dort die Mannen des Königs zu erwarten. Durch meine Kenntnisse der Umgebung wurde ich als Späher eingesetzt und konnte das Manöver der Ungarn melden, die das Hauptherr umgingen und den Tross angriffen. Am Laurentiustag 955 fiel die Entscheidung auf dem Lechfeld südlich von Augsburg. Die Ungarn wurden vernichtend geschlagen, ihre Stoßkraft endgültig gebrochen. Der Sieg war teuer erkauft; denn Ulrich verlor in diesem Kampf seinen Bruder Dietpald und seinen Neffen Reginbald.
Nach dem vernichtenden Sieg Ottos über die Ungarn kehrten wir wieder zurück in unsere gefielde und Bischof Ulrich war zu einem der mächtigsten Männer im Lande erwachsen.
Natürlich standen auch weiterhin Miles unter dem Befehl von Bischof Ulrich.
Wenn sein König rief, musste Ulrich einen Teil seiner Bewaffneten für das Heer des Königs und Kaisers zur Verfügung stellen. Wie stark der weltlich-wehrhafte Arm des Augsburger Bischofs war, erhellt folgender Vergleich: Während der Bischof von Worms dem kaiserlichen Heer nur 40 gepanzerte Reiter stellen musste, hatte Ulrich 100 gut ausgerüstete Krieger zur Verstärkung der Truppen zur Verfügung zu stellen, wenn diese wieder gegen die Slawen, Ungarn, oder Italiener marschierten.
961 dann zog Otto der Große in den Krieg nach Italien und forderte unter anderem im Stift Kempten Soldaten an. Der in Ungnade gefallene Heinrich zog es verständlicherweise vor, Otto nicht direkt unter die Augen zu treten, sondern am Rand der vom Kaiser belagerten Stadt Monte San Leone zu kampieren. Dort nahm er an einem heißen Tag ein Bad in einem Zuber. Ich wurde losgeschickt, um frisches Wildbret zu erlegen. Während der Ritter badete, traf sich ganz in der Nähe Kaiser Otto mit einigen italienischen Bürgern, die angekündigt hatten, mit ihm über die Übergabe der Stadt verhandeln zu wollen. Stattdessen zückten sie aber plötzlich ihre Schwerter und versuchten, den Kaiser gefangen zu nehmen. Da ich ganz in der Nähe des Treffens unterwegs war und all die Schandtaten der Städter sah, eilte ich zurück zu meinem Herrn.
Als er begriff, was passierte, sprang er schnurstracks aus seinem Badezuber, griff sich Schwert und Schild und eilte seinem Kaiser splitterfasernackt zu Hilfe, einige Knechte darunter ich im Gefolge. Heinrich war ein großer und kräftiger Mann und ziemlich guter Kämpfer, jedenfalls streckte er etliche Angreifer nieder und mit unserem Zutun gewannen wir soviel Zeit, dass derweil andere Ritter dazustoßen und Otto beschützen konnten.
Mit der Ankunt anderer Ritter verließen wir den Ort des Geschehens und unser Herr stieg zurück in seinen Zuber. Otto war ihm so dankbar für seinen nackten Einsatz, dass er Heinrich dem Kempter nicht nur die Sache mit dem Truchsess verzieh, sondern ihn auch noch mit dem Lehen Thingau (heute: Unterthingau) beschenkte, so dass der aufmüpfige Ritter danach ein gemachter Mann war und Ich zum Ober Jagdaufseher in seinem Lehen aufstieg.